Index

Home/ Index

 

 

Ahankara

 

 

Ein kochendgrauer Janustag,

so ungefragt hinaus geschickt,

mit ängstlich graugrünblauen Augen

die Dunkelheit der Welt erblickt,

 

als ein Jahrhundertwinter jagte

durch dünne Glückshaut harten Frost,

sich festgehakt in Tiefseehöhlen,

nach außen Chrom getarnter Rost,

 

Mimosenoberfläche kratzig,

gewachsen manches lange Jahr,

vom Licht gegrillter tiefer Schatten,

der Blick zum Hades viel zu klar,

 

Gedanken an den Schritt ins Ende,

stets wiederkehrend' Traumgesicht,

bedrückend rätselhafte Fragen

nach Sinn und Liebe, Wärme, Licht,

 

aus Traurigkeit gemünztes Lachen,

versteinert eigentümlich schief,

Gefühle unsichtbar verborgen,

doch manisch depress-kreativ ...

 

Die lange Treppe hin zur Sonne,

voll Gräben, Steine, Magma, Eis,

emporgeschleppt trotz mancher Wunde,

und heute heiß...

so heiß...

so heiß...

 

(c) Illol63 (Sommer 1997)

 

Home/ Index

 

 

Rosebud...

 

So reich, doch so arm.
Tief im Schnee seiner Kindheit,
verborgen in Glas blieb die Liebe zurück.
So vieles gewonnen, gesammelt, genommen,
das wichtigste aber entglitt ihm...

Viel Schwung und viel Geld,
frischer Wind in den Segeln,
die Menschen erhoben und wieder getürzt.
Genie oder Scharlatan?
Künstliche Kriege,
gebaut durch Zerstörung,
der Schnee taute nie...

Eine düstere Welt hatte er sich geschaffen,
und seine Gedanken hineinprojiziert,
die Liebe befohlen,
doch ohne zu geben.
Nur haben,
um nie zu erreichen...

Umgeben von Dingen,
gewordenes Ding,
ertrunken im Luxus,
die Finger so schwach.
Er sah, wie der Schnee fiel,
so unwiderruflich,
und einsam begreifend
auch er...


 

(c) Illol63 (05.02.1996) aus: movie (Citizen Kane - USA 1942)

 

 

Home/ Index

 

Home/ Index

 

 

Mythologie?

 


Fühl' mich manchmal wie KASSANDRA:
Rede, deute, warne, schreie,
sag die Wahrheit ohne Schonung,
möchte helfen, heilen, retten -
und werd' nicht gehört...
Wie ein Rufer in der Wüste...

Fühl' mich manchmal wie ODYSSEUS:
Gehe, laufe, eile, renne,
kenn das Ziel und wills erreichen,
hab es deutlich schon vor Augen -
und verirre mich...
Wie ein Suchender im Labyrinth...

Fühl' mich oft wie SISYPHUS:
Gebe, steige, schufte, schwitze,
will die größte Leistung bringen,
komm bis dicht vor jeden Gipfen -
trotzdem rollt mein Stein zurück...
Wie ein Ochs' im Göpel...

Fühl' mich oft wie IKARUS:
Denke, plane, baue, fliege,
steige auf in lauen Strudeln,
suche Wärme da hoch droben -
und stürz dennoch ab...
Wie ein losgelassen' Kind...

Fühl' mich manchmal wie PROMETHEUS:
Schenke, schaffe, leuchte, wärme,
laß mich drum an Felsen schmieden,
rauben Leber mir, und Hirn -
krieg es nie gedankt...
Wie ein lebend' Mystikum...

Wäre es besser, sich wie ZEUS zu fühlen?
Bequemer sicher,
weniger anstrengend!
Aber viel zu göttlich...

 

(c) Illol63  (31.07.1996)

 

 

Home/ Index

 

 

Schön

 

Sonnennachmittag im März -
sitze auf der Bank am Teich,
zwischen Wiesen kurz vorm Waldrand,
döse einfach vor mich hin.

Stütz' den Kopf in beide Hände,
schaue träumend übers Wasser,
Wind läßt kleine Wellen kräuseln,
streicht durch Weiden, Birken, Gras...

Leute kommen, Leute gehen -
doch ich achte nicht darauf,
seh' zum andern Ufer rüber,
wo der kleine Junge steht.

Steht nicht still, nein! Er sucht Frösche,
stochert mit dem Stock im Schlamm,
blickt gebannt durch seine Brille
in das Wasser, kauernd still...

Lasse die Gedanken fliegen:
War es gestern?
Vor'n paar Tagen?
Als ich selber hier umherkroch,
durch das gleiche Unterholz,
Frösche fing und wieder frei ließ,
Stöcke liebste Freunde waren,
riesengroß die Bäume schienen,
und der Wald so gruslig dunkel?
Gingen seitdem wirklich Jahre,
gar Jahrzehnte hin?

Schrecke hoch aus meinem Tagtraum,
denn der Kleine steht vor mir,
schaut mich an und plappert fröhlich:
"Woll'n wir gehen, Vati?"
Schön...


 

(c) Illol63 (23.4.1997)

 

Home/ Index

 

 

 

The world will always welcome lovers... (aus: "As time goes bye")

 

Rick

 

Steig ein, mein Kleines,
flieg davon,
laß mich im Nebel,
frage nicht!
Tu', was du tun mußt,
lebe, kämpfe!
Zu ihm gehörst du,
sei sein Licht!

Der alte Rick mit Hut und Trenchcoat,
der alte Zyniker ist tot.
Ein neuer Rick beginnt zu leben,
ein neuer, der viel älter ist...

Der dicke Nebel wird vertrieben,
wir können wieder riechen, atmen!
Auch der Gestank muß endlich sterben,
der Sturm bläst ihn hinweg...

Ab in den Müll das VICHY-WATER!
In dieser Flasche steckt Symbol:
Längst viel zu schal, den Durst zu löschen.
Dann lieber Wüste,
offen, ehrlich!

Ich mag mich jetzt nicht mehr beeilen,
die neue Freundschaft braucht noch Zeit.
Die alte Haut war nie gewichen,
sie trug nur Maske.
Weg damit!

Wir wollen Licht sein,
wollen Wind sein.
Du dort bei ihm,
ich hier, allein...
Allein?
Das stimmt nicht,
jetzt schon nicht mehr:
so viele Lichter,
überall!

Ich weiß, der Nebel hat keine Chance!
Er hatte nie eine...


 

 

(c) Illol63 (24.04.1997) aus: movie (Casablanca - USA 1942)

 

 

 

 

Home/ Index

 

 

Terre Gaste

 

Zieht aus, ihr Ritter, helft dem König,
mit ihm darnieder liegt das Land,
sucht nach dem Gral, dem Stein der Weisen,
so wird erstarken Artus' Hand!

Morgana brachte uns ins Wanken,
sie bannte Merlin in den Fels,
betrog den Meister, säte Zwietracht,
es trübte Blut den Lauf des Quells.

Einst zog ein Jüngling aus dem Steine
Excalibur, das Zauberschwert.
Er wurde König wie sein Vater,
geeint das Land, von Gott erhört.

Morgana, diese falsche Schlange,
sie hat den König dreist verführt,
ihr inzestuöser Liebeszauber
erschütternd an der Krone rührt.

Es droht nun alles zu versinken,
die Tafelrunde bricht entzwei,
uns knebeln Pestilenz und Elend,
schafft her den Gral, er macht uns frei!

Zieht aus, ihr Ritter, Gott befohlen,
für König, Volk und Vaterland!
Gar mancher wird den Tod 'bei finden...
Seid stark! Es liegt in eurer Hand!

 

 

(c) Illol63 (23.04.1997) aus: movie (Excalibur – USA 1981)

 

Home/ Index

 

 

 

Stell d'r vor...

(Ein Gedicht in Schnab’l-Deutsch)

 

Nu stell d'r vor, m'r würd'n schreib'n,
so wie m'r red'n Tach' für Tach' -
m'r hätt'ns schwer beim Selb'rles'n,
doch sich'r wär's e' lust'ge Sach'!

's denkt so manch'r, daß'r redet
des schönnste Deutsch, so gut wie's gett -
doch wenn'rs selbst ma' les'n sollte,
da wüßt'r a', des stimmt gar net!

Nu stell d'r vor, m'r würd'n leb'n,
so wie m'r eing'tlich leb'n soll -
gerecht, sozial un' ökologisch,
's wär net leicht, doch wär's ganz toll!

's denkt so manch'r, ER lebt richtich,
un' daß'r nur, was nötich nimmt -
doch könnt'r sich ma' selb'r a'schaun,
da wüßt'r a', daß des net stimmt!

Nu stell d'r vor, m'r würd'n lieb'n,
die, dene m'r des täglich sag'n -
des heißt, m'r würd'n, statt zu nehm'n,
uns geb'n, ohne viel zu frag'n!

M'r denk'n alle, daß m'r zärtlich
un' liebevoll sin', niemals roh -
so daß m'r stets zu annern gut sin',
doch sei'n m'r ehrlich:
Sin' m'r so???

 

(c) Illol63  (September 1995) 

 

Ich bin fast sicher, Bastian Sick würde mir Apostrophitis oder schlimmeres (zumindest falsche Typografie) vorwerfen (und er hätte vermutlich Recht damit)

Doch wie soll man Schnab'l-Deutsch korrekt schreiben? Eventuell in Lautschrift? Wäre sicher auch e' lust'ge Sach'
Ich dachte mir also, bevor viele, viele Fragen kommen, gebe ich selbst schon mal ein paar kurze Erläuterungen:
M'r - umgangssprachliche Verballhornung von Wir, gesprochen: Ma mit ganz kurzer Endung (so auch bei d'r, also dir)
Sin' - (für sind) kurze Wortendung, gesprochen wie Sinn,
ähnlich bei den anderen Wörtern mit
' am Ende wie zB e' (eine) oder un' (hier auch Buchstabenauslassung bei und)
Ausnahme:
a' für auch und a' bei a'schaun für anschauen - etwas gedehnter (ah) gesprochen.
Wörter wie zB
denk'n - Buchstabenauslassung, gesprochen: denkn, sieht als Wort halt dämlich aus...
Wörter wie zB
sich'r - Buchstabenauslassung, gasprochen: sicha mit kurzer Endung.
Wörter wie zB
daß'r - Buchstabenauslassung und Kopplung zweier Wörter, also daß er, gesprochen: dassa mit ganz kurzer Endung.
bei manchen Wörtern hab ich bewußt eine falsche Rechtschreibung verwendet, zB
annern, schönnste, Tach und richtich, um die Sprechweise deutlicher zu zeigen.
Doch egal, auch wenn die Erläuterungen jetzt fast länger sind als das Gedicht: ich hoffe,
m'r kann's les'n (grins)

 

Home/ Index

 

 

 
 

Wohlauf, laßt uns eine Stadt und einen Turm bauen,
dessen Spitze bis in den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen;
denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder...
(MOSE ll)


 

Babel

 

Alle Sterne standen günstig,
auch der Boden war stabil.
Frisch gewagt ist halb gewonnen,
und ein starkes Haus das Ziel!

Zwar: Sie hatten keinen Bauplan,
doch 'ne Menge Material,
Zeit, Geschick und Fantasien,
Arbeit wurde nie zur Qual.

Fundamente, Mauern, Dächer,
wuchsen schnell, es ging voran.
"Steine passen gut zusammen,
gibt ein jeder, was er kann!"

Niemand fragte: Was solls werden?
Fröhlich bauten sie drauflos:
Links ein Tempel, rechts ein Türmchen,
und die Tore riesengroß.

Wände reckten sich zum Himmel,
immer höher, immer mehr,
ein Koloß, metaphermäßig,
doch zu überschauen schwer.

Dann verwirrte sich die Sprache:
Wörter mit skurrilem Sinn.
Alles schrie nach Leibeskräften,
aber keiner hörte hin...

Mauern wurden abgebrochen,
und woanders neu gebaut:
Grad geschaffen - schon verworfen,
Nacht folgt' Nacht, eh' Morgen graut...

Als der erste Bautrupp streikte,
Lieferungen blieben aus,
starb gar vieles unvollendet,
neu - und schon Ruinenhaus!

Die Gebäude voller Mißtrau'n
baute jeder nur für sich,
ohne Wissen, ohne Absicht,
manchen Rücken traf ein Stich.

Überblick war längst verloren,
Lot und Elle längst entzwei.
Schnell und viel und ohne Regeln:
Bauen - Schleifen, täglich neu...

Kaum geborene Gedanken,
ausgesprochenes verschwand
echolos in Häuserschluchten,
hinter kalter Festungswand.

Endlich, lange vorher schwankend,
stürzte alles in sich ein...
Blieb ein großer Trümmerhaufen;
was einst mächtig, war nun klein.

Stehe heute vor den Scherben,
die ich noch von Babel seh:
Halbverschüttete Ideen,
Wind verweht sie. Und ich geh...

Laßt uns reden miteinander,
bauen, klug und Hand in Hand!
Triumphieren über Dummheit,
fantasievoll, mit Verstand!


 

(c) Illol63 (13.03. 1997)

 

 

 

Home/ Index

 

 

 

weniger

 

Weniger ist manchmal mehr,
gar nichts oftmals alles.
Jeder steile Aufstieg trägt
auch die Züge schon des Falles.

Höllenhitze macht uns frieren,
Nebel uns die Augen klar.
Unser Leben wird zum Märchen,
Kitschromane werden wahr.

Jede graue Depression
birgt in sich ein Fünkchen Glück.
Jedes strahlend schöne Lächeln
läßt auch Schmerz zurück...

 

(c) Illol63 (Frühling 1999)

 

 

 

Home/ Index

 

 

Home/ Index

 

 

 

„Okies“

 

„Los, packt euren Krempel und schert euch davon!
Das Land wird gepflügt und beackert.
Was soll ich mit Handtüchern?
Ich will ein Laken!
Was kümmert mich, wenn´s euch ein Totentuch wird!"
 

Uralt ist der Laster, total überladen,
so unendlich lang ist die Straße,
die Odyssee durch euer eigenes Land,
und nirgends ein Plätzchen zum Bleiben…
 

Der Traum: Kalifornien,
südliche Sonne,
Orangen, wie Kürbisse groß!
Die Lager am Straßenrand,
staubig und trocken,
die grausamen Farmer und Sheriffs - Real!
 

Die Streiks und Gewehre,
die bohrenden Fragen,
die dunkle Erinnerung an ein Zuhaus.
Vertrieben, geschlagen,
gejagt und getötet.
„THIS LAND IS YOUR LAND"
Doch ihr seid nicht allein!
 

Seid stark und seid wachsam,
beginnt euch zu wehren!
Kein Unrecht hat lange,
gar ewig Bestand!
Wie euch geht es vielen,
doch immer mehr lernen:
Die Früchte des Zornes,
schon bald sind sie reif!

 


© Illol63 (05.03.1996) aus: movie (Früchte des Zorns - USA 1940)

 

 

 

 

Home/ Index

 

 

 

 

 

(1919 .D - Caligari .Dr des Cabinett Das) movie :aus  (1996 .4.20) Illol63 (c)

 

...heilen ich kann Jetzt
!Ursache die kenne Ich

Gründe die kenn' Ich
?drückt Hebel die wer
,fragt Wer
!Kleinen die immer Doch
?Vergeltung die trifft Wen
,Schlaf den durchdringen Bestie der Gedanken
,Töten zum noch mißnutzt nur
- Mensch Verblendeter

...Welt wirkliche die so
- somnambul
,skurril
,Seelen zerrüttete
,Schatten und Licht vertauscht
,klitzeklein Tisch der
,riesig gar Hocker der
,Gassen und Häuser Krumme
.Gewirr Bizarres

...gerade und steif alles ist hier
,Fenster und Türen
,Linien die stimmen Hier
.Sinn der allem von sich verdreht
Anstalt der Mauern den In
!normal ist Verrückt


Cesare

 

 

 

 

Home/ Index

 

 

 

 

Ein GOTT zu sein

 

Es ist nicht leicht, ein GOTT zu sein:
Zu sehen - aber nicht zu handeln,
zu wissen - aber nicht zu lehren,
zu können - aber nicht zu dürfen -
Ach, besser wär, mich holt' der Teufel,
als daß ich ständig schweige...
 

Wir kamen von weit her gereist,
doch scheinbar auch von weit voraus:
Wir sahen uns!
Das waren wir,
in dunkelster Vergangenheit...
 

Es ist nicht leicht, ein GOTT zu sein:
Sie knechten Menschen hier wie Vieh,
sie trampeln Würde in den Schmutz,
sie töten jeden Fortschritt ab -
Wir aber stehen nur daneben,
und schauen zu...
 

Gewalt schafft immer nur Gewalt?
Doch löst sie nicht auch Mitleid aus?
Sie könnten niemals alle töten?
Wie lange soll ich warten?
Wo ich doch helfen kann...
 

Es ist nicht leicht, ein GOTT zu sein:
Jetzt rede ich - ich will nicht schweigen!
Jetzt greif ich ein - ich werde handeln!
Jetzt steh' ich auf - ich stürze Götter!
Ich bin ein Mensch!
Ist kämpfen tierisch?
 

Es war ein Test?
Um mich zu testen?
Was habt ihr nur mit mir gemacht!
Ist jedes Mittel wirklich heilig
zum guten Zweck?
Quo Vadis, Mensch?

 

(c) Illol63 (12.05. 1996) aus: movie (Es ist nicht leicht ein Gott zu sein - BRD/ UdSSR/ Fr - 1989)

 

Home/ Index

 

 

 

 

Schöpfung



Warum aus totem Leben schaffen?
Laß totes tot, schaff lebend´ Leben!
Sieh zu dem Mädchen neben dir,
Laß Leben wachsen, du mit ihr!

Warum den Lauf des Flusses ändern?
Laß alles fließen, PANTA RHEI...
Gestörtes Wasser wird sich rächen,
ein kurzer Sieg ist schnell vorbei.

Warum gewachsenes zerstören?
An Genen pfuschen? Besser machen?
Nur EINER hat das Recht auf Schöpfung,
und glaub mir: ER kann grausam lachen!

Natürliche Genesis wahren,
kein künstlicher HOMUNKULUS!
Geht etwas schief durch deine Dummheit,
dann ist bald Schluß.
Ja: Schluß!

 

 

© Illol63 (Sommer 1997) aus: movie (Frankenstein - USA 1931)

 

 

Home/ Index

 

 

 

 

Komm, laß...

 

Komm, laß uns über Filme reden,
das Feuer bleibe, wo es war,
soll zugefrier´n das Loch im Eise -
Nicht jeder kommt mit Wärme klar.
 

Wend ab die Blicke, eh sie tief sind,
´s ertrinkt sich gar zu leicht darin!
Wenn Phlegmatos allgegenwärtig,
hat Schizothymos wenig Sinn.
 

Komm, laß uns uns die Meinung sagen,
von außen nur, nie Parallelen,
vergleichen, wählen oder streichen -
Doch Menschen nicht in Rahmen quälen.
 

Laß uns das Gegenteil beweisen,
die Seelen in Granit versteckt:
"Oh, Zeus, bedecke deinen Himmel,
du Prinz, der nie Schneewittchen weckt!"
 

Laß uns auf Oberflächen kreisen,
wenn Tiefseetauchen ohne Sinn,
verschließ die Tür, ein Fenster öffne!
Der Zug fährt ohne uns nach Wien.
 

Laß uns doch unpersönlich werden,
kein Seelen-Striptease, kein Gefühl!
Nie falsche Fehler, niemals wanken -
Zwar innen heiß,
doch außen kühl...
 

Komm, laß uns von was andrem schweigen,
vergiß die Fragen, wer wann schlief!
Streif ab die Last geschoss´ner Worte -
Ent-Täuschungen sind positiv...
 

 

(Danke an: Herwig, Ulla, Johann Wolfgang, Jacob und Willhelm)
 

(c) Illol63 (05.09./ 25.09. 1995)

 

Home/ Index

 

 

 

 

Ach

 

Ach, sei nicht traurig, wenn ein großer,
einst heller Stern erloschen scheint,
noch wenn ein grüner Blumenhügel
korallenrote Tränen weint,

dem wilden Fluß ein Damm verordnet,
galloppgezügelt manches Pferd,
und sich ein Feuer, statt zu wärmen,
ins Gegenteilige verkehrt!

 

(c) illol63 (17.9.2004)

 

 

Home/ Index

 

 

 

Good Morning, Vietnam!


Ach, hättet ihr doch
lieber Baseball gespielt,
es war doch so lustig,
es machte doch Spaß!
Ob Gelb oder Braun oder Weiß -
keine Frage:
Die Hautfarbe zählt nicht beim Sport.
 

Good Morning, Vietnam,
Rock´n´Roll und Bob Dylan,
statt Marschmusik und Frank Sinatra-Geschnulze.
Die lustigen Worte in traurigen Zeiten,
statt Bomben und Napalm und Tot.
 

Ach, hättet ihr doch
lieber Schulen gebaut
Gelehrt und gegeben
gelacht und geweint!
Ob Englisch, ob Russisch,
Chinesisch, Französisch -
Verstehen geht schweigend genauso...
 

Was wolltet ihr dort?
Hat euch Charlie bedroht?
Wie kommt es, daß Rambo ein Land schützen soll?
Was gab euch das Recht,
weit entfernt eurer Heimat
den Sheriff zu spielen?
Oder war da noch mehr?
 

Good Morning, Vietnam!
Komm, und laß uns mal reden
Doch Krieg ist kein Spaß,
und das Radio ward stumm...
Die Sprache des Feuers
in Reisfeld und Dschungel,
der Ton der Gewalt.
Aber Bambus stirbt nie...
 

 

(c) Illol63 aus: movie (Good Morning, Vietnam - USA 1987)

 

Home/ Index

 

 

 

Schurawli

 

Gib jedem eine Blume; Mädchen,
sie waren alle für dich dort!
So viele kommen niemals wieder,
auch der, auf den du wartest.
 

Der Krieg wird nie nach Menschen fragen,
er kennt nur Angst und Leid und Tod!
Du stehst allein,
am Himmel ziehen
die Kraniche,
wie damals.


„Ich will die Vögel mit dir schauen!
Wo bist du, Liebster?
Sagt mir, wo?
Zerstört das Haus,
zerstört die Liebe,
zerstört das Glück!
Zerstört auch ich?"
 

Gib jedem eine Blume, Mädchen!
Als Strauß sind sie heut' ohne Sinn.
Teil deine Liebe mit uns allen,
sie ist nicht tot!
Komm, sieh nach vorn!
 

Woll´n sorgen, daß die Vögel ewig
So friedlich ihre Bahnen ziehen,
die Tränen aller Augen trocknen,
und Blumen nur zur Freude blühen!

 

© Illol63  aus: movie (Wenn die Kraniche ziehen – UdSSR, 1957)

 

 

Home/ Index

 

 

 

Mama, take this badge off of me
I can´t use it anymore...

(Bob Dylan, aus: "Knockin´on Heavens Door", 1972)
 

Pat Garrett

 


Ach Billy, es ist längst  zu Ende,
noch lebst du, doch du bist  nicht mehr
Du klammerst dich an alte Werte,
du machst es dir (und mir) so schwer.
 

Ich habe ihnen abgeschworen,
ich habe neu mich arrangiert,
ich hab den Kompromiß gefunden,
ich hab die neue Zeit kapiert!
 

Ach Billy, töte die Prinzipien,
noch ist es nicht zu spät dafür!
Laß weit zurück den Rio Grande,
hör auf den Freund, der ich  war dir!
 

Ich muß dich suchen, muß dich jagen,
ich muß dich finden, muß dich töten,
ich muß den falschen Mythos löschen,
ich werde trotzdem  für dich beten...
 

Ach Billy, ich hätt´s wissen müssen:
Ein Kind wie du gibt niemals auf.
Nun denn, es sei! Ich tu es, Billy:
Das Schicksal nehme seinen Lauf...
 

Du konntest - Wolltest? - nicht entrinnen!
Ich...hab den Absprung noch geschafft...
Nun liegst du vor mir, lächelst kindlich:
Wer von uns beiden hat mehr Kraft?
 

Oh, du Kindskopf...

 


(c) Illol63 aus: movie (Pat Garett & Billy the Kid - USA, 1972)

 

Home/ Index

 

 

 

Armut

 

Arme Katze, seh dich streunen,
zwischen Haus und Gartenzaun,
immer unterwegs, nie Ruhe,
ständig auf der Suche.
 

Keiner wird dich jemals zähmen,
so wie Rolli, meinen Hund.
Der hats gut: Er teilt mein Leben,
alles, was dir fehlt.
 

Du weißt nichts vom Fernseh-Gucken,
kriegst nicht mal das kleinste Bier,
keinen Tabak, keine Bonbon,
Flipper, Kneipen, Disko, Shows...
 

Arm dein Leben, kleines Kätzchen!
Du kennst keine echten Freuden!
Tust mir leid - halt!
Weg vom Auto!
Laß den Lack in Ruhe!
 

Mistvieh...
 

(c) Illol63 (10.07. 1997)

 

 

 

Armut

 

Armer Mensch in deinem Käfig,
du brauchst Räder, Ofen, Dach,
immer eingesperrt, nie Freiheit,
zwischen totem Kram.
 

Selbst dein Hund ist nur ein Sklave,
ohne Willen, ohne Blut!
Meines kocht: Mich treibt das Leben,
ich bin frei und wild!
 

Du weißt nichts von Abenteuern,
kriegst nicht mal die kleinste Maus,
kennst nicht das Gefühl beim Schleichen,
den Geschmack von Wasser...
 

Arm dein Leben, großes Wesen!
Bist zu blind, um zu begreifen!
Tust mir leid -
Ich muß nun gehen,
denn ich kann das!
 

Tschüß...
 

(c) Illol63 (10.07. 1997)

 

 

Home/ Index

 

 

  
Tank-Ballade
 
 

Mein Wagen, er begann zu streiken,
der Tank war wieder ziemlich leer.
Ich fuhr zur Tankstation in Eile,
denn ohne Sprit geht gar nichts mehr.
 
Ich steckte diesen Schlauch ins Tankloch,
frisch tanken ist ein Freudenfest!
Doch was war das? Statt Sprit zu geben,
soff dieses Monster meinen Rest!
 
Es leert den Tank, statt ihn zu füllen!
Ich wollte neue Energie!
Hab meinen letzten Sprit verloren –
So etwas sah ich hier noch nie…
 
Mein Freund, fährst du zur Tankstation,
weil ohne Sprit ja nichts mehr geht,
und zapft man dich dort leer voll Hohn,
dann wechsle schnell, eh es zu spät!
 
Ein jeder hat so seine Stellen,
dort Sprit bekommen, Sprit gegeben.
Es ist okay, hält sich´s die Waage,
so haben alle was vom Leben.
 
Ich gebe gern, wenn wer bedürftig,
nach teilen steht mir oft der Sinn!
Doch brauche ich, und w
e
rd bestohlen –
So geh ich nicht mehr hin…
 
 
© Illol63  (12.07. 1997)

 
 

 

Home/ Index

 

 

 

Das Lied von dem Schlurch


 

Schlurfend schlürft der Schlurch ein Bierchen,
schleicht durch himmelblauen Wald,
trifft ein gelbes Trampeltierchen,
schnüffelnd, briesenmäßig kalt.

Vor dem Mund ein Blatt,
durstig zwar, doch satt,
trank er noch der Pinten zweie,
ehe er vermaledeie.

Auf jenem heimatlichen Boden
sah er schon manch gar seltsam Ding,
er sah die Menschen Wurzeln roden,
bis dass der Wald von selber ging.
Zart grüngefärbte Mädchenaugen,
die drangen tief ins Herz ihm ein,
sie schmeichelten durch seine Seele,
betäubt vom schwer-süß-herben Wein.

Denn auch der Linde harscher Stamm,
konnt´ schützen nicht das weiche Holz,
drum wurden seine Finger klamm
und brüchig schwand sein letzter Stolz.
Um den Treibsand rings herum
legte sich die harte Klammer,
nagte in den Kern sich stumm,
blieb als kalter Katzenjammer.

Pilze wuchsen schnell,
denn der Tag war hell,
formten große Hexenringe -
alle waren guter Dinge.

Zwar: längst betäubt war´n die Gefühle,
knapp abgesägt und aufgespaltet,
schier ausgelebt, gewollte Kühle,
die Maskenstarre selbst gestaltet,
trank er das schale Bier zur Neige
schon brachen tausend bunte Scheiben,
war neu gewünschtes viel zu feige,
um stillzustehen, hierzubleiben.

Es trieb durch graue Nebelschleier,
ein rosarotes Selbstbeharren,
glich ganz der letzten trüben Feier,
doch tat wie dürres Ästeknarren.
Er begann ein irres Stapfen,
warf den violetten Pfropf,
löste sich der Pinienzapfen,
fehlte haaresbreit den Kopf.

Plötzlich sah er klar,
was wird sein, was war,
doch vor allem, was dazwischen,
aus war´s mit "im trüben fischen".

Griff ein in tiefe Kartonagen,
schnell angelnd nach der Wunden Blut.
Die Schmierenbühne ohne Gagen
war dennoch irgendwie ganz gut.
Er staunte über die Entfaltung
die künstlerische Selbstgestaltung,
und setzte noch ein wenig nach,
war oben blühend, drunter brach.
Entzündet längst die große Wut.

Manch anderes begann zu fließen,
selbst Ratten wachten wieder auf,
ein neues Pflänzchen war am Sprießen,
auf endlos starrem Lebenslauf.
Konsolen wankten übermäßig,
mit Tasten, schwarz und weiß und grün,
der Mond im Fenster grinste käsig,
weil Scheibenblumen westwärts ziehn.

Ein Seher sah, ein Hörer hörte,
ein Riecher roch jedoch nie mehr,
wohl weil die Kurve keinen störte
ging er verlustig, tränenschwer.
Nie wurde aus dem Sessel Weißbrot
nie aus dem Herd ein Heizungsrohr,
extreme Flaschen klangen scheintot
beim Drehen rückwärts wie zuvor.
Kein Span beim Hobeln fiel nach oben,
weil nie sein kann, was nicht sein darf!
Er heulte laut, begann zu toben,
und schliff sein Messer endlos scharf.
O, es wird immer, immer, immer
statt etwas besser nur noch schlimmer!

Fortgesetzte Übungsbilder
bogen welke Glieder wild,
strichen wirre Taten milder,
stampften ständig Bild auf Bild:
Schillert glockengleich
durchs Facettenreich
eine Ladung Roßkastanien
übers Meer von Phrasolvanien...

Derweil die Schlange würgend bettelt,
durch schwarzen Aufruhr angezettelt,
kann keiner frierend abseits stehn.
Dann hilft kein Zögern oder Zagen,
dann muß das Äußere man wagen,
obs lohnt, kann man erst später sehn!

Sinnend vor den Wasserspielen
steht der Faun, bereit zum Trank,
klar, er kann zum Glase schielen,
aber später wird er krank!

Nein, auch nicht der größte Ziegel
rettet Reiter oder Pferd,
nicht einmal ein Katzenstriegel
ist dann noch der Mühen wert.

Der Apfelbaum lebt,
doch Eidechsen schweben,
das Nest ist verklebt,
und war doch soeben
noch jungfräulich rein,

wie Braunbier mit Spucke!
Man fängt keine Mucke
durch endloses Beten,
durch Schlagen und Treten,
Man kann nur drauf hoffen,
der Käfig sei offen.
Denn Wölfe erschleichen sich riesige Bissen,
es plagt sie nicht Reue noch schlechtes Gewissen,
Sie fressen begierig, denn so muß es sein!

Ja, es ist müßig
ein Steak zu veröden,
den Spieß abzustumpfen.
Denn nur vom Leben,
kann er uns noch geben,
er trocknet die Faser,
er näßt jede Lade,
er töpfert Geschirre
und lächelt wie irre.
Er ahnt, was noch fehlt,
doch niemand krakeelt!

Drum kriechen die Würmer im warmfeuchten Graben,
Drum schwebt selbst ein Frisbee knapp unter dem Raben,
Drum klingelt die Schelle zur Mittsommernacht,
Sie weiß ganz genau, wann das Werk ist vollbracht.
Drum wird nie der Sonne gewaltiger Strahl
wohl schmelzen den Stahl.

Füllt die Tasse mit gelbem Tee,
aus dem fernen mildsonnigen Ceylon,
her geschwommen aus Übersee,
voller Aroma und strotzend vor Süße,
trotz des Pflückers unreiner Füße,
trotz der Tiefe des Nichtschwimmerbeckens,
trotz der Mühe des Zuckerleckens,
Vollmundig im Geschmack!
Grob wie ein Jutesack,
fasernd und ohne Zier,
zittert derweil das Tier!

Aber, um es gleich zu sagen,
statt es nur herumzutragen:
Niemals wird das Stroh vergeigt!

Sag, kannst du den Sermon stoppen?
Wird geächtet Mensch und Fisch?
Oder lassen wir uns foppen,
vor und nach, und zwischen Tisch?
Wirf den Teller weg,
zweieinhalb Parsec!
Oder lieber etwas weiter,
wer zu schlecht ist, wird nur Zweiter!
Ein Sieger kann sehr einsam sein,
Durch Ouzo wird er wieder klein.
Schnaps oder Wein? Likör? Nein, Sekt
zeigt deutlich, was im Bizeps steckt.
Jedoch ein Trizeps dann nur leckt,
wenn Tetra- Pentazeps erweckt.
Mit Hexazeps, in starrem Bund,
vollendet sich das Erdenrund.

Siehe, weiche Wiesen weisen,
wuselnd übers Wasser hin,
mancher Berg beginnt zu kreißen,
keine Silbe hat noch Sinn.
Eine Polle fliegt nach Meißen,
und auf Ende folgt Beginn.

In den Bäumen
sitzen Affen,
gierig raffen
sie die Früchte, leuchtend rot,
dennoch tot.
Kann man sowas noch verstehn,
klarer sehn?
Ja, vielleicht!
Doch die Tiere
sind, noch immer, unerreicht.
Alle viere
könnten das,
ohne Haß!

Rauchend sinkt ein Friedensrichter
in des Krieges tiefsten Graben,
will er sich am Fleische laben,
medium, statt durchgebraten,
auch die Soße, wohlgeraten,
Puddingpulver, Kandiszucker,
Türenhorcher, Fenstergucker,
Alle essen,
selbstvergessen.

Jeder schlinget, schlucket, kauet,
Mancher Bissen wird verdauet,
in des Magens hohler Blase
kochen Gase,
frißt die Säure viele Brocken,
legt den letzten Stausee trocken,
weil am Ufer Frösche hocken.
Denn kein Storch steht im Salat,
und bewacht die junge Saat.
Sinnend lesen Professoren
Stephen King mit heißen Ohren,
gruseln sich in ihren Betten,
vor dem unbekannten Staat,
welcher nachts den Klippen naht.
Wer sollte sie auch retten!
Trauervoll,
liebestoll
wird ein Studiosus kämpfen,
und vielleicht Kartoffeln dämpfen,
aber niemals Nippel fetten!

Durchgedreht
seufzt der Lehrer,
denn statt leichter wiegt es schwerer,
selbst in den Dreiklassen-Schulen
ist man sauer,
und ein armer Spargelbauer
sticht nie mehr.
Wimmert nur.
vor der Hecke,
in der Ecke
sieht er des Gemüses Spur -
Und dennoch, zum erneuen Zwecke
greift er den Spaten noch einmal,
Kohlrabi gäbe es in Massen,
er will zwar, doch er kann nicht hassen!
Die Freude hat besiegt die Qual.

Wohl in der Petroleumleuchte
lebt der letzte Flaschengeist,
mißt des Eichenholzes Feuchte,
bis es darr nach Osten weist.
Arm sein oder reich?
Es ist völlig gleich!
Wenn wir Optimisten bleiben,
darf man schwarze Zahlen schreiben.

Wir werden in die Kassen greifen,
egal, ob Münze oder Schein,
nur bares sollte es schon sein!
Auf Falschgeld kann man ruhig pfeifen.

Doch fährt der Schreck durch das Gebein,
wird wohl die Hand die Beute missen;
wenn Gut und Geld sind einerlei,
dann sollte man den Fluchtweg wissen,
trotz Schranke, Zaun und Polizei.

Schwere Fessel,
hart und kalt,
Hexenkessel,
tief im Wald,
wenn die Kirche um das Dorf getragen,
muß man seiner Freiheit wohl entsagen!
 

Nein, ich geh nicht ins Gefängnis!
Nein, ich will nicht in die Zelle,
welche dort für mich bereitet!
Nacht sich über Mauern breitet,
Eisengitter drohen steif,
auf den Toren glänzt der Reif,
in die Herzen fiel ein Frost,
faulige Gefängniskost.

In verbog’ner Weißblechschüssel,
eingraviert der Vogel Greif,
draußen klirren Messingschlüssel,
singt der Wärter: "Life ist live!"
Ach, ich kann es kaum ertragen,
schrecklich man im Kerker wohnt,
will es noch und nochmal sagen,
dass Verbrechen sich nicht lohnt.

Wenn ein neuer Wald gewachsen,
werden wohl die Vögel fliehn,
und von Mecklenburg nach Sachsen
durch die leeren Steppen ziehn.

Leiser Flügelschlag
jeder, wie er mag,
selbst die reichsten Wanderfalken
finden keine morschen Balken.

Sicher wird der müde Schreiber
irgendwann die Segel streichen,
dann der jüngste Sitzenbleiber
muß die letzte Schuld begleichen.
Doch ein Muli,
will sich, scheinbar, auch bedanken,
unverfroren,
graubehaarte, lange Ohren,
scheuert rau seine Flanken,
vor den Schranken,
hinter Gleisen
zum Verreisen,
steht der Zug.
Neben jener Hängebrücke
ist’s genug.

Auf dem Bahnhof glüht die Kerze,
es ist alles Tage Abend,
niemand macht darüber Scherze,
denn was satt macht, ist auch labend.

Durchgeleiert
sind die Worte,
auch Dilettantismus feiert;
jetzt jedoch,
wo es in den Wolken eiert,
bleibt ein jeder Satz ganz fest im Joch.

Täuschend klafft die Hoffnungsfalle,
schon am Abend grinsen alle,
welche eben noch geweinet,
weil die Hände sich vereinet,
weil die langen Fingerkuppen,
rührten in verdickten Suppen,
schöpften Erbsen und auch Möhren -
(stets auf neu die Hirsche röhren)

Und ein Korb, ganz voller Seile,
schwamm den Fluss hinab in Eile.
Flaschen grub man aus dem Sande,
der seit langem weißrot glüht,
frierend lag der Wal am Strande,
denn der Weißdorn war verblüht.
Koggen wurden abgetragen,
später über Land verschifft,
denn ein Käfer ist ein Wagen,
und Arsen ist nun mal Gift!


Auch die gelbe Schiffskanone
blieb in Hafen rostend stehn,
und trotz Pulver und Patrone,
war sie bald nicht mehr zu sehn.
Schöner Bockmist,
so sensibel,
fließt nach innen,
frißt sich in die Köpfe ein.
Wahrlich, niemand konnte ahnen,
dass die Stunden so verrinnen,
ohne sich noch zu besinnen,

wann es Not tut.
Doch Fabriken streiken nimmer,
Arbeitskampf!
In den Straßen ein Gewimmer,
jeder Hans heißt nunmehr Dampf!

Jetzt laßt alle Hüllen liegen,
packt die Vesperbrote aus,
Rosarote Kühe fliegen,
landen neben jenem Haus.
Melken kann man sie,
Milch gibt jedes Vieh!
Doch man hüte sich vor Stieren,
denn sie werden lamentieren!

Sie fabrizierten krumme Knüppel,
nach vorne humpelnd immer mehr,
zwar nur als irrer Seelenkrüppel,
war´s trotz der Hürden nicht mal schwer.
Aus allen Bänken wurden Banken,
dort saß statt Mensch bald nur noch Geld,
selbst Schränke formten sich zu Schranken
und trennten Zugverkehr und Welt.

Die Eisenbahn kam erst nach Stunden,
sie drehte acht dreiviertel Runden,
dann hielt sie vor der Poststation,
denn auch der Heizer wollte Lohn.
Glück auf, Glück auf, wir werden fahren!
In jener Grube unter Tag,
steht auf dem Gleis ein Hunt seit Jahren,
der längst schon nicht mehr rollen mag.

Ward einst von einem Pferd gezogen,
das, weil es leider etwas dumm
sein Innerstes hat abgewogen,
dann wurde blind und taub und stumm.
Die Berg-und-Tal-Bahn tat erkennen,
dass alles fremde keuchend stöhnt;
da Brennnesseln nur selten brennen,
hat sie sich letztlich dran gewöhnt.

Ja, schon der Dübel in der Mauer
hat früh von jenem Deal gewußt,
lag drum seit Stunden auf der Lauer
voll Spannung, Spaß, Geduld und Lust.
Kein Spreißel bohrte sich ins Dunkel,
der Tag war jung, der Tag war hell,
im Frühbeetkasten wuchs die Runkel
der Sonne näher rasend schnell.

Erquickend ist’s, den Mars zu loben,
befriedigend der Venus Schein;
doch das beglückendste da droben
sind Neptunstaub und Mondgestein.
Weil jener nur im Kreis mäandert,
sein Licht unter den Scheffel stellt,
hat Pluto alles unterwandert
und Uranus beherrscht die Welt!

Flaschenkinder trinken Wasser,
essen artig mit Besteck,
schon wird der Albino blasser,
ziert sich wie ein junger Geck.

Lötet einen Topf,
schneidet ab den Zopf,
kämmt die Haare dann zu Seite,
wartend auf die nächste Pleite.

O doch, o doch!
Vergebens trauern, weinen alle,
selbst Meister Petz in seiner Falle
gräbt sich ein neues, tief´res Loch.
Im Felsen, in des Sandsteins blasser Ader
steigt hoch empor ein freies Kampfgeschwader.


Es wurde, scheinbar ohne Sinn,
so wie ein dreifach Doppelkinn,
von anderen nur ausgelacht,
wer möchte da noch spionieren?
´s hat allerdings auch Spaß gemacht,
viel Spaß gemacht, zu schwadronieren.

Denn dass schier nichts und wieder nichts
aus diesem Text dich informiert,
ist Sinn hier dieses - hm - Gedichts?
Es ist nur sinnlos fabuliert.
Lies noch mal durch den Phrasen-Reigen,
Doch denke, bitte, stets daran,
Ich wollte einfach nur mal zeigen:
Es dichte nur, wer wirklich kann!

Und ob ich gleich dazu gehöre,
kann keiner ohne Schmeicheln sagen,
drum manch Erwartung ich zerstöre,
es nutzt nicht, hinterher zu klagen!
Denn was erstaunte Augen lesen,
ist nie der Weisheit letzter Schluß,
noch allerklügstes Werk gewesen -
ja, nicht einmal ein Musenkuß!

Unsinn aus den Fingern saugen
fällt dem Spinner niemals schwer.
Ob die Verse wirklich taugen?
Sind die Strophen gar verquer?

Es ist ganz egal,
denn trotz aller Qual,
die das Hirn dem Herzen sendet
hab ich’s hiermit doch vollendet!

 

 

(c) Illol63  (19.06.2008)