|
|
|
The movie will begin in five moments, the mindless voice announced, all those unseated will await the next show (James Douglas Morrison)
Viele selbst versperrte TÜREN, Pseudo-Fenster, scheinreal, Unrast trotz kaputter Feder, Spiegelschwarze Wüste…
Unverstandene Schamanen treten Fährten durch das Dunkel, Endlos lange Korridore, schalltot, Teppich-Absorption.
Starres Leder legt dir Falten Über Seele, Herz und Hirn. Wo ist Sonne? Wo ist Leben? Wird der Winter weichen?
Wärme nur in kleinen Nadeln, gelbe Vögel aus Papier, kurze Fristen für die Schiffe, Häfen ohne Chance.
Schlüssel kreischen, Riegel schnappen, Dämmerung kriecht durchs Parkett, unter Dielen pfeifen Ratten: Es ist Zeit, wir kommen!
Halt´ den Ausgang stets im Auge, du verirrst dich sonst zu schnell! Geh´ hinein, doch bleib´ nie lange, dort, im Morrison Hotel…
© Illol63 (22.02.1996) aus: movie (The Doors – USA 1990)
|
|
|
Irgendwas vibriert in mir, unbestimmbar, vager Ton, rauschend, klingelnd, expandierend; etwas flüstert: Schreib´ es auf!
Kann es nicht für mich behalten, jedenfalls nicht körperlich, hol´s hervor und laß es fließen durch die Feder aufs Papier.
Denke, streiche, korrigiere, fang´ neu an und lausche still auf den leisen Klang der Worte, auf den Rhythmus meines „Werks“.
Fühl´ mich besser, wenns geschrieben, wenns da steht, von mir gemacht. Ist zwar brotlos, für den Körper!
Meine Seele nährt es…
© Illol63 (30.10.1995)
|
|
|
|
das schleichende gift tötet langsam unmerklich doch niemals total es läßt zombis zurück beweglich, schön bunt doch leicht lenkbar weil träge so satt, überfüttert und seelenlos
tagtäglich neu die uniformen die äußeren wie inneren die worte aus werweißwievielem mund schon vorverdaut und leicht bekömmlich doch immer in der reihe
es ist nicht nur das anders sein das anders denken reicht oft schon sie lächeln drüber amüsiert (so lang es harmlos bleibt, exotisch) doch wird geschossen gnadenlos bleibt es nicht stumm
Die Ordnung muß um jeden Preis bewahrt werden!
wie lange reicht das geld noch zum gedanken killen?
© Illol63 (07.11.1995)
|
|
Ich möchte gar nicht auf die Insel, und wenn, dann nur mit Rückfahrkarte. Ich brauche Hektik, Streß und Schmerzen, um fehlendes zu sehen…
Im Fernsehn flimmerts von Diäten, das Radio tönt: „Mafia-Mord!“ In Diskos, Ecstasy-geschwängert, tanzt Anonymos um das Kalb.
Auf Straßen stapeln sich die Autos, die Städte voller grauer Körper, durch trübe Luft dringt selten Sonne, kein Lachen und kein echter Blick.
Was soll ich fliehen, mich verkriechen? Betrüg´ ich mich nicht selbst dabei? Verliert das Böse seinen Schrecken, wend´ ich die Augen ab?
Mir reichen nicht die zwei, drei Freunde, ich brauche mehr, und mehr, und mehr… Ich brauche dich, und dich, und dich dort. Ich brauch´, daß ihr mich braucht!
Ich möchte gar nicht auf die Insel, ihr alle sollt mir Inseln sein! Ihr mir, ich euch – doch ohne Wasser. Und wenn, dann nur ganz flaches…
Die laute Welt will ich nicht missen, es gibt darin genügend Inseln. Wer sucht, der findet, immer wieder. Ich bin dabei, ich bleibe!
Wer noch?
© Illol63 (31.05.1997)
|
|
|
|
Da ist nur wenig Licht im Schatten, Da ist der Blick nur scheinbat klar, Da ist Verdacht so falsch wie Glimmer, Da trügt der letzte Hoffnungsschimmer, Da ist die Lüge seltsam wahr.
Da werden Tiere zu Dämonen, Da werden Spießer gar monströs, Da werden Ärzte Psychopathen, Da werden Freunde Autokraten, Da werden Sommer nebulös.
Da wirkt ein Motel wie ein grausiges Spukschloß, Da wirkt eine Dienerin omnipräsent, Da wirkt eine Oper wie Maske und Knebel, Da wirkt ein Glas Milch wie der giftigste Nebel, Da wirkt der bekannteste Mensch plötzlich fremd.
Da peitschen die Schüsse, Da blitzen die Messer, Da würgen die Strümpfe, Da tötet ein Blick, Da zittern die Nerven, Da ätzen die Laugen, Da stechen die Scheren, Da täuschen die Augen, Da lacht das Entsetzen, Da schlingert das Glück.
Da weiß ich oft alles, da staune ich dennoch, Da irren Verbrecher, da irrt Polizei, Da tappen die Klügsten so hilflos im Dunkeln, Da glitzert in sämtlichen Blicken ein Funkeln, Da ist es am Ende erst wirklich vorbei.
Da ist jedesmal so ein Dicker zu sehen, Da ist er, ganz kurz, der das alles erdacht, Da ist er, wie zufällig, ganz nebenbei, Der Magier und Meister in „Angstmacherei“, Er hat sie, die jedermann fesselnde Macht!
© Illol63 (24.02. 1997) aus: movie (Alfred Hitchcock)
|
|
|
„Amüsieren, Tarzan – Jane…“ Wenns denn nur so einfach wäre! Sag, wo hast du dich verkrochen, großer starker Öko-Held?
Schöne Urwald-Abenteuer! Bunt gemalt im Nachhinein Kämpfst du gegen Löwen, Schlangen, gegen schwarze „Wilde“!
Deinen Dschungel hältst du sauber, Böses hat dort keine Chance: Sklavenhändler, Erdölsucher, Räuber, Diebe, Pack!
Wo bist du, wenn wir hier kämpfen? Du jagst Löwen! Du jagst Schlangen! Siehst du nicht das wahre Raubtier? Mach die Augen auf! Ja, ich weiß, dein Augenwinkel Reicht nicht übern Horizont. Horizont ist nur dein Dschungel. Ich… will nicht so sein! Affe…
© Illol63 (24.02.1997) aus: movie (Tarzan, der Affenmensch – USA 1932)
|
|
|
|
So laß uns los, du teure Freundin, wir können nicht mehr bei dir sein. Mußt lernen, andere zu lieben. Bewege dich, sonst schläfst du ein!
Genau die Zeit, genau der Ort, genau der Punkt, um zu verschwinden. Es zieht uns unaufhaltsam vorwärts, und keiner, keiner wird uns finden!
Wie haben sie uns eingeschnürt In enge Mieder und Korsetts, mit Band und Bein uns krummgebogen, zerquetscht, verformt, zerdrückt, verletzt!
Streift ab die Kleider, Schuhe, Strümpfe, reißt eure Leiber aus dem Schlaf, So soll der Wind der Erste werden, der unsre Brüste streicheln darf.
Die alte, kalte, enge Welt, wir lassen sie im Tal zurück: Bleib ruhig dort! Wir gehen aufwärts, mit festen Schritten, festem Blick.
Wir treten aus der Zeit heraus, die alten Uhren bleiben stehen, kein Auge kann uns je erblicken, und nur ein Herz mag uns noch sehen.
Der Felsen wird uns nie verraten, vertraut dem gütigen Gesicht! Wenn Finsternis zurückgeblieben, liegt vor uns bess´res Licht…
© Illol63 (Sommer 1998) aus: movie (Picknick am Valentinstag – Australien 1975)
|
|
|
|
Das Weib und die Bestie. Ein uraltes Thema: Aus Liebe zu ihr seine Welt aufgegeben. Betäubt und gefangen, gereizt und verhöhnt, Als Endeffekt aber die Zähmung mißlingt…
Ein Wald voller Häuser – Der Dschungel der Großstadt, so grell und brutal, kein Zuhaus´ für den König. Das Höchste kein Thron, auch kein Halt mehr am Ende, zuviele der Feinde, ein Sturz – und der Tod…
die Augen, sie hatten so grausame Blicke, und konnten so sanft sein, für sie…
Der Fehler jedoch: Er war anders, so anders, und dort in der Welt, ihrer Welt, ohne Chance…
© Illol63 (12.03.1996) aus: movie (King Kong und die weiße Frau – USA 1933)
|
|
Der letzte Baum ist nun gefällt, geopfert blind dem letzten Götzen, durch leere Wüsten streichelt Wind, er läßt zurück ein jedes Kind in steinernem Entsetzen.
Die schönste Frau ward weg gesperrt, viel´ tausend Fackeln lodernd brennen. Schon bröckelt lautlos Schicht auf Schicht, kein weißes Kanu kommt in Sicht, das Mühsal abzutrennen.
Dem Vogelmann die Weisheit fehlt, im Meer trieb manches seltsam´ Ding von anderen versunk´nen Welten, den Anspruch blutig zu vergelten, und Unverstand zum Ring.
Ein jeder Topf kocht einmal über, der überspannte Bogen bricht, doch blind für jegliche Signale: aus Stein geformte Ideale verdunkeln alles Licht.
Ja, schwimmt um euer kleines Leben! Wer siegt und wer verliert am Ende, ist längst bedeutungslos und nichtig, des nackten Grauens angesichtig, kein Opfer bringt die Wende.
Ein Herrenvolk kann nie bestehen, denn wahre Größe lehrt verzichten. Besinnt euch der vergess´nen Lieder, doch werft nicht alte Götter nieder, um neue zu errichten!
© Illol63 (18.04.2003) aus: movie (Rapa Nui – USA/ Osterinsel, Chile 1994))
|
|
|
|
Es ist nicht gut, wenn Brücken brechen, wenn Türen fest in Schlösser fallen, wenn nur das Ende noch real bleibt, mit Sturm und Blitz und Donnerknallen,
nicht gut, wenn alle Stricke reißen, wenn nicht die kleinste Hoffnung bleibt, wenn sich die Welt mit harter Feder das letzte Schlußkapitel schreibt.
Dann ist es gut, wenn da ein Fenster, ein kleiner, dünner Draht noch ist, um Katastrophen auszuschließen - gut, wenn man sich nicht ganz vergißt!
So eine kleine, feine Quelle, (wenn ohne Sinn scheint alles Hoffen) sie kann vielleicht die Rettung bringen, vorausgesetzt, man hält sie offen…
© Illol63 (04.04.2004) aus: movie (Der Anschlag – USA 2002)
|
|
|
|
Ach, Vater, ich wär´ gern mit dir Als Vagabund durchs Land gezogen, auf Güterzügen mitgefahren, stets hungrig, schmutzig und verbogen!
Du bist so reich, so reich, so reich, du hast mir jeden Wunsch erfüllt, hast tausend Dinge mir gegeben, in Samt und Seide mich gehüllt.
Ach, Vater, ich hätt´ gern gehungert, hättst du mich jemals anerkannt, wär´ glücklich, würde immer lachen, und jede Sorge wär´ gebannt.
Warum gabst du mir niemals Liebe, warum hast du mich nie gefragt, nie in mein wundes Herz gesehen, und nie ein liebes Wort gesagt?
Ach, Vater, ich wär´ gerne arm und mittellos und wenig klug, könnt´ einmal ich dich liebend sehen – ich wäre reich genug!
© Illol63 (20.12.2000) aus: movie (Die Katze auf dem heißen Blechdach – USA 1958)
|
|
|
Heute ist kein guter Tag, mit dem Rauchen aufzuhören: Autopanne schon um Neun, nicht der kleinste Sonnenschein, das Ersatzteil nicht dabei, aufgeregte Toberei, und es regnet immer mehr – Zigarette her!
Heute ist kein guter Tag, mit dem Rauchen aufzuhören: Wieder so ein Riesenstreit, (die gekränkte Eitelkeit!) Keine Lösung ist in Sicht, so viel Streß, ich fass´ es nicht, heut geht alles kreuz und quer – Zigarette her!
Heute ist kein guter Tag, mit dem Rauchen aufzuhören: Stehe auf dem Standesamt, Herz und Seele sind entflammt. Wie soll ich das überstehn? Hochzeit feiern ist ja schön, Ruhigbleiben aber schwer – Zigarette her!
Heute ist kein guter Tag, mit dem Rauchen aufzuhören. Heute Rauch und morgen Rauch, sowie übermorgen auch, und auch über-übermorgen, jeder Tag bringt neue Sorgen. Ohne Tabak bin ich leer – Zigarette her!
Heute ist kein guter Tag, mit dem Rauchen aufzuhören: Ach, nur die Gewohnheit macht ständig Kummer Tag und Nacht, selten nur die Sonne lacht, schnell ein Streichholz angefacht, In die Lungen tropft das Teer – Zigarette her!
© Illol63 (23.03.2003)
|
|
|
|
Die Sprache gefällt dir. Aber der Inhalt – Zuweilen blieb er fremd und unverständlich!
Ein paar Seiten gelesen, manche Wörter, ganze Sätze gar, übersehen…
Zuschlagen und weglegen? Oder weiterlesen?
Geschichten verlaufen selten gleich, kein Buch ähnelt einem anderen – es gibt viel triviales, Kitsch- und Dutzendromane.
Was ist lesenswert? Was ist lebenswert? Be(ver)urteile nie vor der letzten Seite! Schlage kein Buch auf, wenn dir drei Seiten genügen!
© Illol63 (September 1995)
|
|
|
Denke niemals in Schablonen, teile nichts in Kästchen ein, checke alle Möglichkeiten, auch den Wechsel der Gezeiten, sonst wirst du das Opfer sein.
Reizt dich diese schwarze Welt, Grufti-Gothic-Dunkelheit? Was glaubst du darin zu finden? Muß das Alte derart schwinden? Bist du wirklich schon bereit?
Weiße Masken, schwarze Mäntel, rot gefütterte Kapuzen. Warum sich in Särge betten, können dich die Kreuze retten, oder werden sie verschmutzen?
Wo die finst´ren Schriften liegen, dort, in staubigen Regalen, lauert zwischen Spinnennetzen, Folterängsten und Entsetzen, nur der Tod nach langen Qualen.
Auch die Bilder an der Wand Können dir dann nichts mehr nützen, wenn gekommen ist die Zeit, holt dich die Vergangenheit, wird dich keiner mehr beschützen.
Kann man DAS analysieren? Willst du es alleine schaffen? Dich in diese Welt begeben - voller Ängste, voller Beben – Mit Methode statt mit Waffen?
DAS ist ganz gewiß nicht logisch, nicht normal, was das auch sei! Lange Briefe aus der Hölle, tätowiert in Rattenfelle, machen nie die Seelen frei!
Versuche nicht, es zu verstehen, der Wahnsinn ist nicht zu erfassen! Entfliehe diesem dunklen Reigen, laß raus die Wut und brich dein Schweigen! Noch bist du nicht total verlassen.
Glaube mir, das ist kein Spiel! Ziehe deine Hand zurück, nimm dich aus der Sache raus und verlasse dieses Haus, doch behalt es gut im Blick!
Laß nicht zu, daß deine Seele sich in diesen Abgrund wagt, hattest mutig und verwegen längst verdrängt das Blut, den Regen, alles war bereits gesagt.
Mußt die Angst nicht überwinden, gib dich ihr nach Kräften hin, so nur kannst du es verwinden, alles Dunkle wird verschwinden, Dies, nur dies hat Sinn!
© Illol63 (März 2004) aus: movie (Ripper – CDN 2001)
|
|
|
|
ich lauf in einer langen kette durch eine schmale runde gasse wie eine aufgeschnittne röhre ein oben offner hohlweg
ich trage lasten wie die andern die andern was? ich weiß es nicht nicht mensch nicht tier nicht tot nicht lebend ich selbst bin so ein…DING?
beweg mich träge tragend vorwärts im kettentempo geht’s bergan skurril geformte einzel…WESEN? im röhrenrichtungszwang
folg nur der röhre starren bögen verschlungen aufwärts endlosweg nicht eine chance um raus zu kommen es treibt mich sinnlos weiter
hab längst schon aufgehört zu fragen was ich hier mache und warum bin nur noch teil des endloswurmes buntgeometrisch schleppender
das eigenartige diffuse das unbegreiflich grelle licht das eingesperrtsein gnadenlose… Was das bedeutet, weiß ich nicht!
Und hab‘ es doch erlebt…
© Illol63 (09.10. 1998)
|
|
|
(für Michael Ende)
Gehst unbeirrbar deinen Weg, wenn alle anderen auch sagen, er wäre falsch und ohne Sinn, du gehst ihn, langsam zwar – doch stetig, und ohne Pausen, vorwärts…
Bist zäh´, kleine Schildkröte. Bist unbelehrbar, sagen die anderen Tiere. Doch das stört dich nicht, du gehst deinen Weg, denn du weißt: Er ist richtig!
Du hast recht damit, sage auch ich…
© Illol63 (07.11.1995)
|
|
|
|
Oftmals will ich gar nicht schreiben, Tu´ es dennoch immer wieder, Die Gedanken müssen sprudeln, Als Gedicht, Märabeln, Lieder.
Äußeres verinnerlichen, Aus gewählter Auswahl wählen, Inneres veräußerlichen, Altbekanntes neu erzählen,
Klares metamorphosieren, Allzu ernstes persiflieren, Unverstandenes verstehen, Unsichtbares deutlich sehen,
Fast verlor´nes wiederfinden, Unverbundenes verbinden, Kleid gewordenes entkleiden, Fest gewachsenes zerschneiden,
Sinnloses versinnbildlichen, Logik ad absurdum führen, Abgetrenntes ehelichen, Unberührbares berühren.
Noch gehorchen Hirn und Hände Fern ist jedes Ende…
(c) Illol63 (07.10. 1998)
|
|
|
Ja, ich bin ein großer Künstler, werde sicher mal berühmt, bin zwar immer sehr bescheiden, doch ich sag´ es unverblümt:
Bin ein Geistesblitzarbeiter, hab´ Ideen immerzu, muß sie ständig niederschreiben, gönne mir nicht Rast noch Ruh´.
Und es ist, was ich ersinne, ohne Zweifel schon genial! Doch mir scheint auch, meine Werke Sind der Welt noch sehr egal.
Aber das wird sich bald ändern, Einmal werde ich entdeckt, und die Leute, sie erkennen, was in mir für Tiefe steckt.
Dann wird jeder sich fanatisch Auf von mir erdachtes stürzen, wird mit meinen tollen Büchern seinen grauen Alltag würzen!
Deshalb heb´ ich jeden Zettel, jedes Schnipsel sorgsam auf, denn ich weiß: Ist erst der Ruhm da, stürzt sich jeder Sammler drauf.
Kilo-, tonnenweise Worte! Weiß schon gar nicht mehr, wohin. Zugestopft ist jedes Zimmer, ich alleine kenn´ den Sinn.
Alle Räume vollgestapelt, Möbel hab ich längst nicht mehr, schlafe auf Papier-Matratzen,, lebe karg, fällt es auch schwer.
Noch kann man mich nicht verstehen, ist die Welt nicht reif dafür, aber eines schönen Tages steht der Ruhm vor meiner Tür!
Wenn ich dann bekannt und reich bin, hol´ ich das Versäumte nach: Leb´ im Schloß, und morgens küssen Mich die schönsten Frauen wach…
Esse dann von gold´nen Tellern Austern, Kaviar und Sekt, kleide mich in Samt und Seide, denn: Man hat mich ja entdeckt!
Doch bis dahin heißt es: Warten! Und natürlich fleißig schreiben, trotz der hohen Zettel-Stapel immer schön bescheiden bleiben.
Heute steh´ ich in der Zeitung! Ja, der Ruhm ist endlich da! Schuld ist meine Wasserleitung, und, daß ich auf Reisen war!
Denn das alte Rohr zerplatzte Und das Wasser lief heraus, eine ganze lange Woche wurde überspült mein Haus,
Wasser lief in alle Räume, stieg bis unters Dachgestühl, bis ein Nachbar es bemerkte… Seitdem liegt mein Anschluß still.
Die Produkte hehrer Schreibkunst, all die schöne Dichterei, Manuskripte, Fantasien, nur noch feuchter Faserbrei.
Erst zerweicht und dann getrocknet Alles Wirken nun passé… Was mir bleibt, ist Spott und Schaden. Und ein Haus voll Pappmaché…
(c) Illol63 (15.05. 1998)
|
|
|
Wieder stehe ich am Abgrund, wieder führt kein Pfad zurück, wieder geht es nicht mehr weiter, wieder sterbe ich ein Stück.
Wollte alles besser machen, wollte diesmal klüger sein, wollte, wollte, wollte, wollte, wollte alles, nur kein: Nein!
Hatte alle Wege offen, hatte alles gut geplant, hatte viele bunte Träume, Hätte sowas nie geahnt.
Stehe wieder ganz allein da, stehe ohne Sinn und Zweck, stehe vor dem Sprung ins Leere, nur ein Schritt…und weg.
Unsinn, dieses irre Grübeln, Unsinn, dieses Selbstmitleid, Unsinn, das im Gestern leben, Es gibt Wege! Ich hab´ Zeit…
© Illol63 (03.05.1997)
|
|
|
|
Ich renn' manchmal an gegen Mauern, gegen künstliche Mauern aus Stein und aus Eis, ich möchte hindurch, will sie irgendwie knacken, nehm´ hundertmal Anlauf – und lauf´ mich nur heiß.
Die Mauern sind fest uns solide, sie scheinen zu wachsen mit jedem Versuch, hab selbst dran gebaut, Fundamente gegossen, und find keine Tür mehr, es ist wie ein Fluch.
Einst sah ich im Traum ein Gebäude, verschiedene Steine, ein Mörtel, der hält, unzählige Türen, weit offene Fenster, und Einrichtung, die mir gefällt.
Ich renn' manchmal an gegen Mauern, sie haben zwar Fenster, doch Gitter am Tor, ich rüttle daran, reiß die Finger mir blutig, und stehe noch immer davor.
Ich frage mich manchmal: Was ging da nur schief? Wann hab ich geschlafen beim Bau? Ich renn' gegen Mauern, sie stehen und schweigen, sie sollten so bunt sein, und sind nun so grau…
© Illol63 (18.11. 1995)
|